Die neue Methode ermöglicht eine deutlich bessere Sichtbarkeit von Tumoren

Artikel Mammografie Dr. med. Carmen Dannecker
23/03/2025

Carmen Dannecker - Die Radiologin bei Affidea brustCare Brust-Zentrum Zürich über Krebsprävention und eine Erweiterung der Mammografie

Statt der klassischen Mammografie für die Erkennung von Brustkrebs kommt neuerdings auch eine Mammografie mit Kontrastmittel zum Einsatz.

 

Wie funktioniert diese neuen Methode?

Die sogenannte KM-MG ist eine Erweiterung der Mammografie, die eine deutlich bessere Sichtbarkeit von Tumoren ermöglicht. Brustkrebs wird ab einer Grösse von etwa drei Millimetern von neu gebildeten, kleinen Gefässen lokal versorgt. Diese Gefässe unterscheiden sich von den anderen im Körper, da sie löchriger sind. Das über eine Vene verabreichte Kontrastmittel tritt dort aus und «leuchtet» auf dem Bild an der Stelle, wo sich ein Tumor befindet. Dadurch wird der Brustkrebs nicht nur sichtbar, auch die Grösse des Tumors und mögliche weitere Tumore werden ebenfalls angezeigt.

 

Wann kommt die Kontrast-Mammografie zum Einsatz?

Neben der genauen Bestimmung von Tumorgrösse bei Brustkrebs, kann die KM-MG zur weiteren Abklärung von unklaren Befunden in der Mammografie und Ultraschall dienen. Dort kann ein fehlendes «Leuchten» in fast allen Fällen einen bösartigen Tumor ausschliessen und hilft so, unnötige Biopsien zu vermeiden. Bei bestimmten Tumoren wird die Chemotherapie vor der Operation zur Tumorverkleinerung eingesetzt. Um zu beurteilen, wie der Tumor auf die Therapie anspricht, kann die KM-MG angewendet werden.

 

Welche Vorteile bietet die Kontrast-Mammografie?

Da sie nach ähnlichem Prinzip wie die Magnetresonanz-Tomografie (MRI) funktioniert, bietet die KM-MG eine vergleichbare Alternative für Frauen, die unter Platzangst leiden. Während eines MRI verbringen sie, ohne sich zu bewegen, über eine Zeit von rund zwanzig Minuten bei lauten Geräuschen in Bauchlage in der sogenannten «Röhre». Das ist für viele Menschen mit viel Stress verbunden und manchmal sogar nur mit Beruhigungsmitteln möglich. Auch für Trägerinnen von Herzschrittmachern ist die KM-MG eine sehr gute Alternative.

 

Wie läuft die Kontrastmittelmammografie konkret ab?

Viele Frauen schätzen daran, dass sie nicht allein sind. Es ist immer eine Radiologie-Fachfrau im Zimmer nahe bei der Patientin. Im Sitzen wird Kontrastmittel über eine Vene verabreicht. Es ist das gleiche Kontrastmittelwie bei der Computertomografie. Zwei Minuten später wird eine Mammografie gemacht. Kurz nach der Kontrastmittelgabe können vorübergehend ein Wärmegefühl, ein metallener Geschmack oder Harndrang auftreten.

Portrait Dr. med. Carmen Dannecker

Seit 2022 am Brust-Zentrum Zürich tätig: Carmen Dannecker, Fachärztin für Radiologie mit Spezialgebiet Brustdiagnostik


Wie geht es danach weiter?

Die Patientin bleibt noch etwa dreissig Minuten unter Beobachtung. Dieswegen möglicher, aber sehr seltener allergischer Reaktionen auf das Kontrastmittel. Danach kann sie entlassen werden. Sie sollte im Laufe des Tages viel Flüssigkeit zu sich nehmen, weil das Kontrastmittel über die Niere ausgeschwemmt wird. Einschränkungen danach gibt es keine.

 

Wie sieht es mit der Strahlenbelastung aus?

Die Strahlenbelastung ist etwas höher als bei der klassischen Mammografie. Zum Vergleich: Die natürliche jährliche Strahlenbelastung in der Schweiz beträgt 1 Millisievert (mSv). Die Mammografie liegt bei etwa 0,4 mSv, die KM-MG ist rund vierzig Prozent höher.

 

Gibt es Studien über die Wirksamkeit der KM-MG?

Gerade in den letzten Jahren hat die Anzahl an Publikationen über Studienergebnisse weltweit zugenommen, zahlreiche Studien laufen gerade oder sind geplant. Bisher war das MRI die einzige Möglichkeit, die Brust mit Kontrastmittel zu untersuchen, deshalb werden die Ergebnisse der KM-MG daran gemessen. Die Studien sind vielversprechend und zeigen vergleichbare Ergebnisse mit dem MRI.

 

Wie lange muss eine Patientin nach der Untersuchung auf den Befund warten?

Die Bilder werden im Anschluss an die Untersuchung von Radiologen oder Radiologinnen beurteilt und mit der Patientin besprochen. Es gibt fast keine Wartezeiten. Auf diese Weise hat sie schneller Klarheit als bei anderen Methoden.

 

In welchen Fällen sollte eine Frau zur Brustkrebsvorsorge?

Die Mammografie ist derzeit die Standarduntersuchung zur Brustkrebsfrüherkennung. Da jede achte Frau im Laufe ihres Lebens mit Brustkrebs konfrontiert wird, empfehlen wir die Mammografie alle zwei Jahre ab dem fünfundvierzigsten bis fünfzigsten Lebensjahr. Sind Brustkrebsfälle in der nahen Verwandtschaft aufgetreten, dann meist häufiger, nach Rücksprache mit dem Gynäkologin, der Hausärztin oder nach Beratung in einem spezialisierten Brustzentrum. 

 

Ist diese Brustkrebsvorsorge kostenlos?

Die Früherkennungsprogramme, auch Screening genannt, sind kantonal organisierte Programme, die allen in den jeweiligen Kantonen wohnhaften Frauen ab fünfzig Jahren alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammografie zusenden. Dies ist leider nicht in allen Kantonen der Fall. Nur in Kantonen mit einem entsprechenden Präventionsprogramm übernimmt die Grundversicherung die vorsorgliche Mammografie.

 

Wer bezahlt in Kantonen ohne Präventionsprogramm?

In den Kantonen ohne Früherkennungsprogramme übernimmt die Grundversicherung die Kosten der Mammografie nur, wenn der Arzt einen Befund abklären möchte. Allerdings gibt es viele Zusatzversicherungen, welche die Mammografie zur Früherkennung anbieten.

 

Und wenn ein Verdacht auf Brustkrebs besteht?

Hier geht es nicht mehr um Prävention. Hat eine Frau Symptome oder Beschwerden oderwird in der Vorsorgeuntersuchung etwas entdeckt, dannwerden alle Folgeuntersuchungen, auch die KM-MG, über die Krankenkasse verrechnet.

 

Die Kontrast-Mammografie hat viele Vorteile.Wieso hinkt die Schweiz mit ihrem Einsatz im europäischen Vergleich hintennach?

In den Ländern mit flächenhaften Screeningprogrammen, zum Beispiel Niederlande, ist der Bedarf nach schnell verfügbaren, hochwertigen Möglichkeiten zur weiteren Abklärung bei auffälligen Mammografien hoch. Die Kontrastmittelgabe ist sehr hilfreich und war sonst nur mit MRI möglich. Deshalb wurde gerade in diesen Ländern intensiv nach schnell verfügbaren, kostengünstigen, aber gleichwertigen Lösungen gesucht.

 

Heisst das, dass in der Schweiz zuerst die MRI-Geräte ausgelastet werden sollen, damit sich ihr Kauf auch gelohnt hat, bevor kostengünstigere Untersuchungen zum Zug kommen?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Mit dem gleichen MRI-Gerät kann nicht nur die Brust, sondern praktisch jede Körperregion untersucht werden. Für die Brust wird das MRI zum Beispiel bei Frauen mit genetischen Mutationen die ersten Wahl bei Untersuchungen bleiben.

 

Inwiefern wird die künstliche Intelligenz bei der Erkennung von Brustkrebs eine Rolle spielen?

Die künstliche Intelligenz wird in der Bildgebung der Brust in einigen Ländern, auch in der Schweiz, aktuell getestet. Sie wird bereits in Schweden zur Beurteilung der Screening-Mammografien eingesetzt. Das Anwendungspotenzial für die KM-MG ist ebenfalls sehr gross, auch hier laufen derzeit mehrere Studien weltweit.

 

Wie sehen Sie die Zukunft von Brustkrebsbehandlungen?

Durch die immer genauere Diagnostik, die Früherkennung und immer bessere, auf die einzelne Patientin zugeschnittene Therapieansätze ist die Diagnose Brustkrebs für die Mehrheit der Patientinnen heute kein Todesurteil mehr. Chirurgische Techniken ermöglichen in den meisten Fällen brusterhaltende Operationen, onkologische Therapien behandeln gezielt Tumore und reduzieren das Rückfallrisiko. Für die Patientinnen bedeutet dies gute Überlebenschancen bei erhaltener Lebensqualität.

 

Interview mit Silvia Aeschbach, Sonntagszeitung